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Pressetext: Mit Hilfe von Laien heraus aus dem Abseits?

  • Veröffentlicht am: 15 February 2013
  • AutorIn: Nulluser (nicht überprüft)

Wie weit ist es zum nächsten Kino? Sind es mehr als 20 Minuten Fahrt, könnte dies für eine Ortschaft langfristig das Aus bedeuten: Im Workshop „Mitten im Abseits“ beim Kongress Kirche² stellten Martin Alex und Dr. Thomas Schlegel vom Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald Untersuchungsergebnisse zur Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum vor.

Mehr als 20 Minuten will niemand fahren

Demnach leiden Siedlungen, die mehr als 20 Minuten Autofahrt vom nächsten Oberzentrum trennen, besonders an Einwohnerschwund. Der demografische Wandel treffe solche ländlichen Regionen besonders hart, weil zu den Auswirkungen zurückgehender Geburtenzahlen noch die Abwanderung komme.

Ein Rückgang der Einwohnerzahlen habe Auswirkungen auf das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben und könne leicht zu einer Abwärtsspirale führen, erläuterten die Forscher. Eine Situation, der sich auch die Kirche im ländlichen Raum stellen muss.

Ein Neubaugebiet verzögert den Einwohnerrückgang

Etwa 20 in der Kirche engagierte Frauen und Männer nahmen an dem Workshop während des Kongresses Kirche² teil. Die Probleme sind ihnen allen bekannt. Mancherorts, so berichten sie, zögen noch ein Neubaugebiet und ein neuer Kindergarten junge Familien an - zumindest wenn Arbeitsplätze in erreichbarer Nähe seien. Doch was, wenn aus den Kindergartenkindern Jugendliche werden? Die, so die Erfahrung, seien besonders schwer zu halten.

Begleitung für engagierte Mitglieder fehlt

Die jungen Familien seien oft in der Gemeinde sehr engagiert, hätten aber weniger Interesse am klassischen Sonntagmorgen-Gottesdienst, sondern fühlten sich durch ausgefallene Veranstaltungen angezogen. Um solche anzubieten, das Engagement der Neubürger zu begleiten, sei aber Personal nötig. Und das sei im ländlichen Raum wiederum schwer zu finden.

Mehr Vertrauen in Laien

Martin Alex und Thomas Schlegel berichteten über positive Erfahrungen, die anderswo gemacht wurden. Durchgängig ging es dabei um mehr Zutrauen in die Begabungen und Fähigkeiten von Laien. So setze die Diözese in Poitiers in Frankreich vermehrt auf Ehrenamtliche zur Leitung der Gemeinden. Jeweils fünf Beauftragte bilden dort eine sogenannte Basisequipe, kümmern sich um die kirchlichen Belange in ihrem Heimatort. Mehrere solcher Gruppen ergänzen jeweils eine Pastoralequipe von Hauptamtlichen.

Hauskreise als Ersatz für die klassische Kirchengemeinde

In England, so berichteten die Forscher, hätten sich auf dem Land Hauskreise gebildet, die für ihre Mitglieder das übliche Gemeindeleben ersetzen und die auch als Form von Kirche anerkannt werden. Die Menschen treffen sich zu Bibelgesprächen und unterstützen einander in Krisen und im Alltag. Sie schaffen eine Gemeinschaft, wo der Halt der einst auf dem Land üblichen Großfamilie fehlt. Aus Australien berichteten Alex und Schlegel von Pfarrern, die ihre Gemeinden nur noch als durchreisende Besucher kennen, weil die Kirchen so weit auseinander liegen. Auch hier werde das Gemeindeleben vor Ort von Laien gestaltet.

In den Gemeinden müssten die Rollen und Aufgaben neu verteilt werden, meinten die Workshop-Teilnehmer zu diesen Ideen. Es gelte, sich von Dingen zu trennen, die nicht mehr machbar seien, die Leitung einer Gemeinde auch mal den Laien zu überlassen und nicht immer nur den Gottesdienst als Dreh- und Angelpunkt kirchlichen Lebens zu sehen.

Text: Wiebke Barth für das Presseteam von kirche²