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Pressetext: Das Motoki-Kollektiv: „zu schick, um christlich zu sein“

  • Veröffentlicht am: 15 February 2013
  • AutorIn: Nulluser (nicht überprüft)

Manchmal bei den Wohnzimmer-Konzerten des Motoki-Kollektivs hört Michael Schmidt die Kommentare der Besucher. „Die sind christlich? Das ist zu schick hier. Muss eine amerikanische Sekte sein.“ Ungewöhnlich ist das Kollektiv in jedem Fall. Für eine christlich geprägte Unternehmung allemal. Auch die etwa dreißig Workshop-Teilnehmer, die sich beim Kongress Kirche² in dem kleinen Raum zusammengefunden haben, entsprechen eher der Motoki-Klientel als einem durchschnittlichen Kongressbesucher: Sie sind meist jünger. Oder anders asugedrückt: nur wenige ältere verirren sich in diese Veranstaltung. Ausgeschrieben als Workshop, haben die 90 Minuten eher Seminarcharakter. Eine Tatsache, die Schmidt selbst auffällt und ihm gleichzeitig missfällt: „wir sind sonst gar nicht so vortragsmäßig“. Das glaubt man ihm aufs Wort, denn er erzählt kurzweilig und unterhaltsam von einer Sache, die ihm am Herzen liegt: Von der Idee des Kollektivs, den Menschen und dem Stadtteil Gutes zu tun. Von dem angemieteten Ladenlokal im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, das viele für ein Café halten. Von dem gewagten Schritt, seinerzeit 1.600 Euro monatliche Miete dafür aufbringen zu müssen.

Wohnzimmer für den Stadtteil

Inzwischen ist es das „Wohnzimmer“ des Kollektivs, das zu angesagten Konzerten lädt, aber auch Aktionen im Advent oder der Fastenzeit anbietet. „Für die monatlichen Konzerte sind wir in Köln berühmt geworden, die Bude ist immer gerappelt voll, wie in einem indischen Bus“ schmunzelt Schmidt. Dennoch besitzen die Abende eine besonders ruhige Atmosphäre, „die Besucher sind so still, dass die auftretenden Künstler irritiert sind und denken, ihre Musik käme nicht an“. Das Gegenteil ist bei Motoki der Fall. Die Aktionen sprechen an und wie bei vielen guten Dingen, klingt die Idee zunächst einfach: „wir müssen Spaß an der Sache haben. Wenn es uns keinen Spaß macht, wie kann es dann anderen Leuten Spaß machen?“ Gleichzeitig ist das Engagement der rund 15 festen Mitglieder erheblich. Alles wird ehrenamtlich geleistet, neben Beruf und Familie keine Kleinigkeit.

Baum als Symbol

Dabei würde der Name eher eine japanische Wellness-Oase vermuten lassen: Moto und Ki sind zwei japanische Begriffe für Baum. Das Symbol des Kollektivs. Wie ein Baum will sich Motoki in seinem Stadtteil ausbreiten, Mitgliedern und Besuchern einen Rahmen zum Wohlfühlen bieten. Wie ein Baum sind sie sich immer Ihrer christlichen Wurzeln bewusst, auch wenn viele mit den traditionellen Kirchen nichts mehr anfangen können. Bei Motoki können alle ihre Talente einsetzen oder auch ganz neue Begabungen entdecken. So gibt es „Kramorama-Abende“, ein kreatives Beisammensein, bei dem zusammen genäht und gebastelt wird. Es gilt, andere zur Aktivität zu ermutigen. Motoki sieht sich selbst bescheiden als ein Baum im Wald, viele sehen das anders. 2008 haben sie einen Missionspreis gewonnen. Wobei ihnen das Wort „Mission“ dabei überhaupt nicht gefällt. Die Leute von Motoki wollen nicht weltverbesserisch sein, auch wenn sie es irgendwie sind: Menschen um die dreißig, der die sich Aktionen wie „Hellwach“ ausdenken, in der Themen wie Konsum, Freundschaft oder Glaube angesprochen werden – mit dazugehörigen DIN A4-Seiten zum herunterladen und ausfüllen auf der Website. Oder „Radiergummi Ruhe“, bei der alle Gäste beim Eintritt ein Tütchen mit Radiergummi, Bleistift und Papier erhalten, um innerhalb von drei Minuten ihre Sorgen und Nöte aufzuschreiben, die sie dann Gott übergeben, indem sie ausradiert werden. Motoki hat kreative Köpfe, die sich immer wieder auch zur eigenen „Stammpflege“ zurückziehen, um miteinander zu beten und gleichzeitig neues zu entwickeln. Ein kleiner Schaltkreis, der ausreicht um viel Motoki-Freunde und Besucher in Köln-Ehrenfeld immer wieder anzusprechen, zu motivieren und zu inspirieren. An diesem Tag ist es auch in Hannover gelungen.

Text: Alexandra Kaufhold-Winkler für das Presseteam von kirche²