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»Wir haben viele Dinge eher im Herz als im Netz stehen«

  • Veröffentlicht am: 30 June 2014
  • AutorIn: Maria Herrmann

Manchmal werden wir von Kirche² auch darauf angesprochen und angefragt, welche Rolle Social Media bei uns spielen. Meine Kollegin Sandra und ich haben eine große Wertschätzung für diese Art der Kommunikation und spätestens seit dem Kongress im letzten Jahr ist klar, dass diese Idee von Kommunikation und gleichsam Partizipation für unsere Vision von Kirche der Zukunft und Zukunft der Kirche nicht mehr wegzudenken ist. Ein kleines Beispiel kann ich hier einmal skizzieren: 

Als ich in der letzten Woche am morgen, wie andere ihre Morgenzeitung, bei einer Tasse Kaffee meine Twittertimeline durchblätterte um Nachrichten zu lesen und ein kleines Update der Dinge in der Welt zu bekommen, stieß ich auf ein interessantes Projekt: Polylux. Ich reagierte sofort und stellte über dieses sogenannte Microblog Medium Fragen. Wir kamen sofort ins Gespräch... 

 

Die Antworten waren nicht minder beeindruckend. Eben von Herzen, Jonte schreibt: 

Wie schon erwähnt sind wir (bei polylux) eine kleine Community, die im Neubrandenburger Plattenbaugebiet Datzeberg (Mecklenburg Vorpommern) wohnt, arbeitet und versucht, im besten Sinne missional unterwegs zu sein. (Manche würden bei unserem Viertel von einem sozialen Brennpunkt reden).
 

Ein paar Fakten:

- Wir sind 8 Erwachsene + 4 Kinder, kommen zu 50% aus Mecklenburg und 50% aus anderen Teilen Deutschlands...
- Wir kommen zum größten Teil aus der Evangelischen Landeskirche - sind aber alle ein wenig in der evangelischen Szene rum gekommen.
- Wir leben als monastisch inspirierte Community seit 7 Jahren in Mecklenburg und seit 3 Jahren leben einige von uns auch im Plattenbauviertel - meine Frau und ich sind vor 2 Jahren dazugekommen.
- Die Community ist für uns kein Selbstzweck sondern mentaler, spiritueller Rückhalt für unser soziales, spirituelles und kulturelles Handeln vor Ort.
- Für uns ist die Community ein alternativer Ausdruck von Kirche (Gemeinde).
- Wir sind sowohl im kommunalen als auch im kirchlichen Kontext gut vernetzt (z.B. Kooperation mit der lokalen Evg. Kirchengemeinde).

Wie kam das?
Die Gründungscrew kommt aus Mecklenburg und wollte bewusst wieder zurück. Gerade der Loser Mentalität - Zitat: „Hier bleiben doch eh nur die, die zu dumm sind“ und dem areligiösen Setting wollen wir entgegenwirken. Ich für meinen Teil habe gemerkt, dass ich meinen Glauben im Alltag kaum leben konnte und dass dieser auch für meine Freunde nicht transportfähig war ... Im Community-Setting habe ich nun eine Art Heimat gefunden. Hier kann ich 'Christ sein‘ im Alltag leben.

Was macht ihr da?
Wir setzten uns für soziale, kulturelle und spirituelle Dinge ein. Das wollen wir immer MIT den Leuten tun. Unser Credo ist „mach was schönes“

Theologisch gesehen ist das für uns ganz kurz gesagt:
Heil werdende Beziehungen in jeder Form (zu mir, zum Gegenüber, zu Gott, zur Umwelt).

Was macht am meisten Spaß?
Ich liebe es zu sehen wie wir in der Kultur der Leute ankommen. Noch beindruckender ist, wenn wir diese mitprägen dürfen.
Wir leben ja direkt als Nachbarn Tür an Tür und es ist sehr geil, einfach Leute zum Essen und Trinken einzuladen. Im Alltag oder auch in geplanter Form z.B. „Adventskaffee“. Wie sagt mein Mentor: "I belive in eating and drinking". 

Ich erlebe eine enorme Freiheit einfach das zu tun was Gott in mich hineingelegt hat (z.B. Fußball, Kochen, Fotos, Ideen spinnen) und das bereits als sein Handeln im Viertel wahrzunehmen. 
Das ganze Leben & Engagement wäre ohne die Community nicht machbar. Und es ist eine extreme Gnade, Leben tiefer und festgelegter mit Leuten teilen zu können.

Und was treibt euch an und um?
Ich würde sagen die Liebe zu den Leuten im Viertel und zu Gott. Mich treibt der Wunsch um, dass die Menschen ganzheitlich erfahren, wie sich die Liebe Gottes auf sie und ihr Umfeld auswirkt. Es ist enorm die Auswirkung von 20 Jahren NS-Zeit und 40 Jahren DDR wahrzunehmen.
Die Leute haben hier wirklich vergessen, dass sie Gott vergessen haben (wie es der Theologe Hartmut Bärend formuliert hat).

Viel lieber würde ich noch viel ausführlicher schreiben, weil nun manche Dinge sehr einseitig herüber kommen...
aber hey, hier mach ich mal einen Punkt.

Vielen Dank, lieber Jonte. Wir möchten gerne viel mehr von dir lesen. Viellicht schreibst du ja mal wieder. Gerne auch was Schönes! Alles Gute dafür! 

Wer mehr über Polylux wissen will, dem sei empfohlen, ihnen bei Twitter zu folgen , bei Facebook oder natürlich deren Website zu besuchen (auch wenn...). Liegen euch solche Ideen am Herzen, dann schaut doch mal, ob der Fresh X Kurs etwas für euch ist. Dort unterstützen wir solche Abenteuer. 

Orientierung: 

Kommentare

Sehr coole Geschichte. Dann muss ich wohl erst einmal Liken-Gehen.

Lieber Gruß, Timo

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