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»Türen werden nicht geöffnet, um Menschen hineinzulassen, sondern um selbst als Kirche zu den Menschen hinauszugehen.«

  • Veröffentlicht am: 27 November 2015
  • AutorIn: Maria Herrmann

Während wir in dieser Woche bei der Jahrestagung des EKD Zentrums für Mission in der Region zum Thema »Kirche im Neubau« unser letztes Gastspiel in diesem Jahr hatten, tagte in Hannover die Synode der Lutherischen Landeskirche. Dort hat Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt der hannoverschen Synode einen Bericht über die Arbeit von Kirche² gegeben. Darin entfaltete er anhand der vier Stichworte Ökumene, Kontextualisierung, Social Media und Sendung die Entwicklungen der letzten Jahre.

Die Wahrnehmung und Förderung unserer Arbeit und Inhalte freut uns sehr, macht uns dankbar und lässt uns motiviert in die Zukunft blicken.
Hier finden Sie den Bericht von Dr. Klaus Gründwaldt im Wortlaut: 

Kirche hoch zwei – was ist denn das wieder für ein neumodischer Kram. Mir reicht die eine Kirche, die heilige, christliche und apostolische. Und mit Mathe habe ich es auch nicht so – wieso hoch zwei? Was wird da auf einmal quadratisch? Mir sind sowieso runde Sachen lieber, nicht nur wenn sie im Eckigen klingeln.

Und: Wird hier wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben? Wieder Aktionismus angezettelt, der unseren angefochtenen Geschwistern in den Gemeinden den Blutdruck in die Höhe treibt und die Laune und das Selbstwertgefühl in den Keller?

Die Fragen sind verständlich.

Und doch kann ich mit voller Überzeugung und mit guten Gründen sagen, dass viele Vorurteile gegen Projekte hier nicht treffen. Kirche hoch zwei ist ein besonderes Projekt – wenn es denn überhaupt nach strengen Kriterien ein Projekt ist. Ich verstehe es eher als eine Art Dach oberhalb von konkreten Einzel-Projekten. Wir sprechen darum auch lieber von einer Bewegung als von einem Projekt. Kirche hoch zwei – eine ökumenische Bewegung – lautet der Name, mit dem sich die Arbeitsstelle nach außen vorstellt.

Was aber macht Kirche hoch zwei so besonders?

Es ist zum einen die mehrfache ökumenische Ausrichtung. Die Gene von Kirche hoch zwei stammen nämlich sowohl aus der Kirche von England als aus der segensreichen Kooperation mit der römisch-katholischen Kirche in Gestalt des Bistums Hildesheim. Denn die Wurzeln liegen in gemeinsamen Studienreisen von Studierenden beider Konfessionen zu den spannenden neuen Ausdrucksformen der Kirche von England. Und über die beiden großen Kirchen hinaus sind auch die landeskirchlichen Gemeinschaften und Freikirchen beteiligt. Die vielen, schmerzhaften wie ermutigenden Erfahrungen aus den beteiligten Geschwisterkirchen bilden einen unendlich reichen und kostbaren Nährboden, aus dem heraus sich Ideen und Projekte entwickeln lassen.
Aber wer Ökumene unter der Hand als etwas versteht, wo es darum geht, die Eigenheiten der eigenen Konfession unter den Teppich zu kehren, damit es im Zimmer darüber schöner, wärmer und kuscheliger wird, wird enttäuscht. Ganz schnell geht es hier immer um Fragen des Kirchen- und Amtsverständnisses, und man versteht sich nach einem Kirche hoch zwei – Seminar besser in seiner konfessionellen Eigenart – und lernt die Geschwisterkonfession besser verstehen und lieben.

Zweitens: Eine wichtige Aufgabe ist – gerade aus dem Hintergrund der englischen Erfahrungen – die Kontextualisierung, das heißt, die Frage, ob und wie sich die Erfahrungen aus anderen Ländern und anderen Konfessionen in unsere hannoversch-landeskirchliche Wirklichkeit übersetzen lassen. Klappt das bei uns, was da geklappt hat? Warum dies eine und das andere nicht? Diese Fragen haben auch mit theologischer Wissenschaft zu tun, und es ist ein großes Geschenk, dass die eine Mitarbeiterin aus dem Team – Sandra Bils – exakt zu dieser Frage wissenschaftlich gearbeitet und ihren Dr. gemacht hat. Die katholische Mitarbeiterin Maria Herrmann arbeitet an einer ähnlichen Thematik. Das heißt, wer sich mit Kirche hoch zwei auf den Weg macht, bekommt beides: theoretisch-theologische und praktische Kompetenz.

Eine dritte Besonderheit ist – jedenfalls bezogen auf unsere kirchliche Wirklichkeit – der konsequente Gebrauch der neuen Medien einschließlich der sozialen Netzwerke. Gerade unter jungen Leuten kommuniziert man heute so. Schnell eine Nachricht, eine Einladung loswerden; Erfahrungen teilen, Fragen zur Diskussion stellen; neue Gesprächspartner, Interessenten und Freunde finden; Unterstützung geben und empfangen; neue verquere Gedanken zur Diskussion stellen – das macht man heute auf Facebook, Twitter und der eigenen homepage samt Blogs. Bei Kirche hoch zwei trifft sich auch hier eine kleine, aber feine Gemeinde.
Und das vierte, was ich so besonders finde, ist das prägende Selbstverständnis der Kirche hoch zwei-Bewegung von der Sendung der Kirche her. Die Kirche von England versteht sich als eine „Mission shaped church“, also eine Kirche, die ihre Gestalt aus ihrer Sendung, ihrer Mission empfängt. „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch“, sagt der scheidende Christus im Johannesevangelium. Wir, die Kirche, sind in die Welt und an die Welt gesandt. Kirche hoch zwei hat genau diese ausgeprägte Geh-Struktur, die in der Idee der fresh expressions, der frischen Ausdrucksformen der Kirche, zu Hause ist. Man macht die Türen nicht auf, damit alle reinkommen, sondern damit wir rausgehen dorthin, wo Menschen vielleicht nicht einmal mehr nach uns fragen.

Vielleicht haben Sie noch nicht viel von Kirche hoch zwei gehört, gesehen oder gemerkt. Darum ist es gut, dass das Büro seine Öffentlichkeitsarbeit in diesem Jahr verbessert – sprich: professionalisiert hat. Gut ist auch, dass inzwischen eine FSJ’lerin mitarbeitet und dem Team einiges an organisatorischer Arbeit abnimmt. Im Frühjahr kommt eine Sondervikarin oder ein Sondervikar – um die Idee in die nächste Generation von Theologinnen weiterzugeben – aber auch, damit Kirche hoch zwei immer weiterentwickelt wird.

 

» Ein Bericht auf den Seiten der Lutherischen Landeskirche Hannovers

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